Vier-Ländertreffen der Bäuerinnen- und Landfrauenverbände –
Gleichstellung braucht finanzielle Unabhängigkeit
Gemeinsame Pressemitteilung des 4-Ländertreffens vom 30. August – 1. September 2026
Vier-Länder-Treffen fordert bessere Finanzierung, Förderung und Absicherung für Frauen in der Landwirtschaft
Finanzielle Unabhängigkeit ist eine zentrale Voraussetzung für die Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft. Darin sind sich die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der deutschsprachigen Bäuerinnen- und LandFrauenorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol einig. Anlässlich des Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 kamen sie zum jährlichen Vier-Länder-Treffen in Hamburg zusammen. Im Mittelpunkt standen die finanzielle Absicherung von Frauen sowie ihr gleichberechtigter Zugang zu Finanzierung und agrarpolitischen Fördermitteln.
Frauen tragen in landwirtschaftlichen Betrieben Verantwortung als Unternehmerinnen, Mitunternehmerinnen und Mitverantwortliche für betriebliche Entscheidungen. Dennoch spiegeln Eigentumsverhältnisse, Vermögensaufbau, Altersvorsorge sowie der Zugang zu Finanzierung und Fördermitteln ihre Leistungen häufig nicht ausreichend wider.
„Es ist bewiesen, dass frauengeführte Unternehmen branchenübergreifend risikoärmer und verlässlicher bei der Rückzahlung von Krediten sind als männlich geführte Unternehmen. Zugleich schneiden sie bei Umwelt, Sozialem und Governance besser ab und investieren stärker in die Weiterqualifizierung ihrer Beschäftigten“, betont Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes. „Es wird Zeit, die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen.“
Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen der vier Verbände fordern daher:
Kreditvergabe und Förderinstrumente geschlechtergerecht auszugestalten
strukturelle Hürden beim Zugang von Frauen zu Finanzierung abzubauen und die nachweislich stärkere Nachhaltigkeits-, Risiko- und Rückzahlungsbilanz frauengeführter Unternehmen als Vorteil bei Finanzierungsentscheidungen anzuerkennen. Strukturelle Hürden können beispielsweise sein: geringere Betriebsgröße, fehlende Sicherheiten oder fehlender Betriebsleiterinnenstatus.
Bildungs-, Beratungs-, Coaching- und Netzwerkangebote auszubauen, um Finanzwissen zu stärken und Frauen bei Finanzierung, Betriebsübernahme, Gründung und Investitionen gezielt zu unterstützen.
Agrarförderung geschlechtergerecht einzusetzen, bestehende Zugangshürden abzubauen und spezifische Förderprogramme für Frauen auszubauen.
Die eigenständige finanzielle und soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft zu stärken und Instrumente zu schaffen, die insbesondere mitarbeitende Frauen verbindlich absichern. Die Schweiz zeigt mit der Verknüpfung von Direktzahlungen und dem Nachweis eines Versicherungsschutzes mitarbeitender Partner*innen, wie Agrarpolitik hierfür gezielt Anreize setzen kann.
Die Präsidentinnen sagen:
Irene Neumann-Hartberger, Vorsitzende Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen: „Es braucht eine grundsätzliche Bewusstseinsbildung zum Thema Absicherung und Finanzen. Spezielle Förderprogramme für Bäuerinnenprojekte und gezielte Finanzinstrumente würden die Umsetzung innovativer betrieblicher Ideen deutlich erleichtern und die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen stärken.“
Antonia Egger-Mair, Landesbäuerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation: „Frauen bringen Eigenmittel und Leistungen in die Betriebe ein, auch das muss in der Finanzbildung aufgegriffen und die Frauen sensibilisiert werden, diese Einbringung abzusichern.“
Anne Challandes, Präsidentin Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV: „Gleichstellung ist erst dann erreicht, wenn eine Frau ihre Wahl hinsichtlich ihrer Position, der Übernahme von Verantwortung und der Aufteilung von Aufgaben nicht mehr rechtfertigen muss, sondern diese frei und ohne Hindernisse treffen kann.“
Die vier Verbände vertreten gemeinsam rund 646.000 Bäuerinnen und LandFrauen. Das jährliche Vier-Länder-Treffen dient dem Wissens- und Erfahrungsaustausch zu agrar-, gesellschafts- und frauenpolitischen Fragestellungen sowie der Entwicklung gemeinsamer Positionen über Ländergrenzen hinweg.
Delegation des 4-Ländertreffens 2026 in Hamburg

obere Reihe (von links nach rechts)
Kathrin Bieri-Straumann, Geschäftsführerin SBLV, Daniela Ruhe, Hauptgeschäftsführerin Deutscher LandFrauenverband, Silke Mock, Geschäftsführerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Michaela Glatzl, Geschäftsführerin Österreichische Bäuerinnen
untere Reise (von links nach rechts)
Anne Challandes, Präsidentin Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV, Petra Bentkämper, Präsidentin Deutscher LandFrauenverband, Antonia Egger-Mair, Landesbäuerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation, Irene Neumann-Hartberger, Vorsitzende Österreichische Bäuerinnen








