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Die Bäuerin ist kompetent und autonom – ob in Latzhose oder Tracht

Gastbeitrag Anne Challandes | BauernZeitung vom 11. Februar 2025

«Was ist eine Bäuerin?» – Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht, findet unsere Gastautorin Anne Challandes. Die Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands zeigt auf, wie vielfältig und wandelbar das Bild der Bäuerin heute ist – und warum es längst keine einheitliche Definition mehr braucht.

Ob Tiere, Maschinen oder Buchhaltung: Die Aufgaben der heutigen Bäuerin sind vielfältig. (Bild: Ruth Aerni, BauernZeitung)

Das ist eine recht komplexe Frage. Nach 30 Jahren in der Landwirtschaft kann ich immer noch keine einheitliche und einfache Definition. Ich habe sogar den Eindruck, dass die Entwicklungen der letzten Jahre, diese noch komplexer machen. Die Bäuerinnen sind so vielfältig, es besteht die Gefahr, die eine oder andere auszuschliessen. Letztendlich frage ich mich, ob eine solche Definition wirklich notwendig ist? Stellen wir uns auch die Frage « Was ist ein Bauer? ». Sollten wir uns nicht vielmehr fragen, welche Landwirtschaft wir uns für die Zukunft wünschen?

Früher war die Bäuerin, die meistens aus dem bäuerlichen Umfeld kam, die Ehefrau des Bauern, verantwortlich für die typischen Aufgaben der Bäuerin und zufrieden mit ihrem Status als Ehefrau und unentgeltlich arbeitende Frau. Seit damals hat sich die Gesellschaft und mit ihr auch die Landwirtschaft weiterentwickelt. Die Frauen in der Landwirtschaft sind ausgebildet, unabhängig, autonom und engagiert. Der Frauenanteil in der Ausbildung im Berufsfeld Landwirtschaft steigt, ebenso in der Leitung von Betrieben und in den landwirtschaftlichen Organisationen. In Bezug auf Autonomie, Status, Entlöhnung und soziale Absicherung sind ebenfalls Fortschritte zu verzeichnen. Die Attraktivität der Landwirtschaft für Menschen mit anderen sozialen und beruflichen Hintergründen nimmt zu. Das Engagement auf dem Hof wird oft mit einer beruflichen Tätigkeit ausserhalb der Landwirtschaft kombiniert. Die Vielfalt der Frauen und ihrer Lebenspartner:innen hat sich entsprechend vergrössert. Auch ihre Herkunft und ihre Grundausbildung sind von Bedeutung.

Kürzlich fragte mich eine junge Frau, was eine Bäuerin ist und ob sie sich legitimiert fühlen kann, Bäuerin und Teil der Landwirtschaft zu sein. Sie kommt aus einem anderen Umfeld und ihr Freund ist nicht Landwirt. Sie ist von dem Beruf begeistert, arbeitet täglich auf einem Bauernhof und befindet sich in der Ausbildung zur Bäuerin FA. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie schwierig es ist, ihr eine klare und eindeutige Antwort zu geben. Aber hinsichtlich ihrer Legitimation ich konnte sie beruhigen. Ich bin überzeugt, dass man das Bäuerin-Sein bereits im Herzen spürt, es kann auch im Kopf, im „Bauch“ oder in den Händen oder in allem zusammen sein.

Welches Kriterium definiert eine Bäuerin? Ob sie auf einem Bauernhof lebt? Ob sie mit einem Bauern lebt oder arbeitet? Definiert sie sich über ihre landwirtschaftliche Ausbildung? Durch die Aufgaben, die sie auf dem Betrieb, im Haushalt oder für die Familie übernimmt? Weil sie Brot backt oder einen Garten bewirtschaftet? Oder weil sie sich um grosse oder kleine Tiere kümmert oder auf dem Feld arbeitet? Ist sie noch eine Bäuerin auch wenn sie diese Aufgaben (oder ein Teil davon) nicht leistet? Oder nach einer Scheidung? Ist ihr Status entscheidend, ob sie Betriebsleiterin, Angestellte oder Leiterin eines Betriebszweigs ist? Ich denke, es kann eines dieser Elemente oder mehrere zusammen sein. Ist Bäuerin nicht ein übergeordneter Begriff?

Was mir am wichtigsten erscheint, ist die gefühlte und gelebte Verbindung zur Landwirtschaft, zu Tieren, zur Natur, zur Lebensmittelproduktion, und das Verständnis für diese Welt und der Wunsch, ein Teil davon zu sein.

Sicher ist, dass die Bäuerin nicht mehr nur das Bild ist, das man aus alten Zeiten kennt. Egal, ob sie eine Schürze, Latzhosen und Arbeitsschuhe oder die traditionelle Tracht trägt, lange bemalte Fingernägel hat und ob ihr Interesse den Tieren, den Ackerkulturen, den Maschinen, der Ernährung oder der Buchhaltung gilt, sie ist eine kompetente und autonome Frau, die auf ihre Weise massgeblich dazu beiträgt, die Landwirtschaft voranzubringen.

Neben einem veränderten Verständnis innerhalb der Landwirtschaft muss sich auch der Blick von aussen, von der Gesellschaft im Allgemeinen, ändern und sich bewusstwerden, dass es «die Bäuerin» nicht mehr gib. Wir wollen nicht mehr nur auf traditionelle oder vordefinierte Rollen festgelegt werden. «Was, Sie stellen Ihren Beruf an Ihrem Stand vor und verkaufen nicht einmal Kuchen?» fragte kürzlich ein Besucher einer landwirtschaftlichen Ausstellung. Natürlich backen wir auch Kuchen. Wir machen nicht nur das. Aber das sollten wir auch machen dürfen, ohne dass man uns als ausserhalb der modernen Welt stehend betrachtet.

Mein Fazit ist: Vielfalt bringt Interesse und Reichtum mit sich. Als Präsidentin des SBLV sehe ich das positiv und stelle fest, dass das Motto unseres Verbandes insofern passt, als es sich an alle Frauen vom Land und an alle Frauen von der Landwirtschaft richtet. gemeinsam. kompetent. engagiert. Der Kontakt, der Austausch und das Teilen mit Kolleginnen und mit allen anderen Frauen aus der Landwirtschaft sind wichtig und geben Schwung zum Vorwärtsgehen. Sei es in einem regionalen Bäuerinnen- und Landfrauenverband oder im Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband bietet dieser Vielfalt ein Netzwerk und ermöglicht es, eine einzigartige Person in der starken Gesamtheit aller anderen zu sein.

Dieser Gastbeitrag von unserer Präsidentin, Anne Challandes, ist in der BauernZeitung erschienen.

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